In einem sehr kleinen Königreich lebt Prinzessin Clara, die von allen ausgelacht wird. Clara ist
anders. Anders als alle glauben, dass eine Prinzessin zu sein hat. Wen interessiert schon, dass sie
nett ist und dass sie ein Kumpel zum Pferdestehlen wäre? Nein, eine Prinzessin hat liebreizend und
artig zu sein. Geschickt im Umgang mit der Sticknadel und elegant auf der Tanzfläche der höfischen
Ballsäle. Schade nur, dass Prinzessin Clara weder artig, noch wirklich elegant ist und keineswegs
geschickt im Umgang mit Stickuntensilien.
Als Clara nach einem schrecklichen Missgeschick im verhassten Benimmunterricht,
vor ihrer großen Schwester und deren gemeinen Freundinnen flüchten muss, versteckt sie sich in
einer vergessenen Kammer im Schloss. Dort entdeckt sie ein altes Märchenbuch. Da kommt ihr
eine großartige Idee. Wenn sie das tut, was die Prinzessinnen in dem Märchenbuch tun, dann
werden sich all ihre Probleme in Wohlgefallen auflösen. Sie wird eine berühmte Prinzessin sein, alle
werden sie gern haben und ihre Eltern werden stolz auf sie sein. So lautet zumindest der Plan...
Die Umsetzung entpuppt sich jedoch als deutlich schwieriger. Zum Glück kann sie
auf die Hilfe ihres einzigen Freundes bauen, den etwas zu klein geratenen Hofnarren Michel. Der ist
zwar wenig begeistert von ihren Plänen, aber er will sie auch nicht im Stich lassen. Gemeinsam
probieren sie einige der berühmtesten Grimmschen Märchen aus. Doch wer bringt es schon übers
Herz, einen Frosch gegen die Wand zu werfen? Und küssen alleine reicht leider nicht. Das führt
lediglich dazu, dass überall im Schloss kleine grüne Frösche quakend umher hüpfen, was ihrem
Vater ganz und gar nicht gefällt. Der Wolf hat nicht nur schrecklichen Mundgeruch, er ist auch
noch viel zu lieb um jemanden zu fressen. Und die Idee mit den langen Haaren, die aus einem
Turmfenster gehängt werden, ist an sich nicht schlecht. Aber wer rechnet denn schon mit einem
hungrigen Pferd, das seine Vorliebe für Prinzessinnenhaare entdeckt, nachdem es dem Prinzen
Ermelin weggelaufen ist. Kurzum: Ein Desaster folgt dem Nächsten.
Das alles gefällt ihrem strengen Vater ganz und gar nicht. Kann sie nicht einfach so sein wie ihre
ältere Schwester Quendolin? Und eigentlich hat er auch gar keine Zeit für derlei Unfug. In wenigen
Tagen steht der große Empfang von Prinz Pfauenherz an. Davon hängt viel für das Ansehen des
kleinen Königreichs ab. Quendolin ist fest entschlossen, den schönen Prinzen für sich zu gewinnen
und so in Saus und Braus als Königin leben kann.
Natürlich kommt es, wie es kommen muss. Prinz Pfauenherz stolpert über den
extra von Clara bereitgelegten Schuh. Und anstatt ihn der Prinzessin an den Fuß zu stecken, fällt er
kopfüber die ganze lange Empfangstreppe hinunter. Die Katastrophe ist komplett. Der Prinz ist
vergrault, die Schwester außer sich, die Eltern bitter enttäuscht. Und selbst der Hofnarr kehrt
Prinzessin Clara den Rücken.
Doch gerade als alles verloren zu sein scheint, lernt sie den Prinzen Ermelin
kennen, der auf der Suche nach seinem Haare fressenden Pferd ist und von der seltsamen
Prinzessin namens Clara gehört hat. Und Prinz Ermelin mag Seltsames gerne. Sehr gerne sogar.
Was vielleicht daran liegt, dass er auch kein Prinz wie alle anderen ist. Gemeinsam retten sie den
Wolf, den Clara in ihr Herz geschlossen hat, vor der Flinte des Jägers. Und so findet am Ende
Prinzessin Clara doch noch jemanden, der sie so mag, wie sie ist. Auch wenn sie nicht berühmt ist
oder perfekt sticken kann. Gemeinsam ziehen sie in die Welt, um sie mit ihren Freunden, dem
Hofnarr, dem Pferd, dem Wolf, einem Schaf und ein oder zwei Fröschen, zu erkunden.






